WhatsApp-Channels im Fundraising – direkter, persönlicher, wirkungsvoller?

Ein neuer Kanal mit altem Prinzip

Seit WhatsApp die Channel-Funktion eingeführt hat, experimentieren viele Organisationen mit dem neuen Format. Anders als klassische Gruppen oder Broadcast-Listen ermöglichen Channels eine einseitige Kommunikation: Organisationen können Updates, Aufrufe oder Geschichten teilen – ohne dass Empfänger:innen antworten können.

Was auf den ersten Blick schlicht wirkt, hat enormes Potenzial: Ein Kanal, der Millionen Menschen täglich nutzen, wird zu einem Ort, an dem auch gemeinnützige Inhalte sichtbar werden – direkt auf dem Smartphone, zwischen Freundesnachrichten und Familienchats.

Für NGOs stellt sich damit eine strategische Frage: Wie lässt sich dieser direkte Kommunikationsweg sinnvoll in Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit integrieren?

Warum WhatsApp Aufmerksamkeit verdient

Die Zahlen sind eindeutig: WhatsApp ist in Deutschland der meistgenutzte Kommunikationskanal – über 80 % der Bevölkerung nutzen ihn regelmäßig, quer durch Altersgruppen. Während Social-Media-Plattformen mit sinkender organischer Reichweite und veränderten Algorithmen kämpfen, bleibt WhatsApp ein Ort, an dem Nachrichten tatsächlich ankommen.

Im Fundraising zählt genau das: Verlässliche Erreichbarkeit und persönliche Nähe. E-Mail-Newsletter werden übersehen, Social-Posts versanden im Feed – eine WhatsApp-Nachricht hingegen landet direkt auf dem Bildschirm. Hinzu kommt: Channels wirken weniger werblich als klassische Anzeigen. Sie vermitteln Nähe, Vertrautheit und Kontinuität – drei Faktoren, die im Fundraising über Bindung und Vertrauen entscheiden.

Wie sich WhatsApp strategisch einsetzen lässt

Die Stärke von WhatsApp liegt nicht im schnellen Spendenaufruf, sondern in der kontinuierlichen Beziehungspflege. Organisationen, die den Kanal erfolgreich nutzen wollen, sollten ihn als Ergänzung, nicht als Ersatz begreifen.

Drei strategische Einsatzfelder bieten sich an:

  1. Community-Building und Nähe
    Ein WhatsApp-Channel eignet sich, um Einblicke in Projekte zu geben, Fortschritte zu teilen oder Geschichten zu erzählen, die Wirkung sichtbar machen.
    Wer regelmäßig authentische, kurze Updates verschickt, stärkt die emotionale Bindung – und damit die langfristige Spendenbereitschaft.

  2. Vertrauensaufbau durch Transparenz
    Kleine, regelmäßige Nachrichten mit echten Einblicken („Heute ist unser Team vor Ort…“) schaffen Nähe.
    Anders als Social Media, wo alles öffentlich und oft kuratiert ist, fühlt sich WhatsApp persönlicher an – wie eine direkte Verbindung zur Organisation.

  3. Ergänzender Spenden-Trigger
    Channels können an geeigneten Stellen auf Spendenaktionen verweisen – etwa über einfache Links oder QR-Codes.
    Der Fokus sollte dabei nicht auf Druck liegen, sondern auf Einladung: „Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, finden Sie hier alle Infos.“

Was für den Erfolg entscheidend ist

WhatsApp ist kein Selbstläufer. Wie jeder Kommunikationskanal braucht er Strategie, Pflege und klare Rollen.
Vor allem drei Punkte sind wichtig:

  • Klarheit über Ziel und Zielgruppe:
    Wer soll den Channel abonnieren – bestehende Unterstützer:innen, neue Interessierte oder Multiplikator:innen?

  • Inhaltliche Planung:
    WhatsApp eignet sich für kurze, persönliche Formate – keine Newsletter in Chat-Form.
    Zwei bis drei hochwertige Beiträge pro Woche reichen oft völlig aus.

  • Rechtliche und organisatorische Grundlagen:
    Der Channel darf nicht als Spam wahrgenommen werden. Datenschutzkonforme Einladungen, klare Abmeldemöglichkeiten und transparente Kommunikation sind Pflicht.

Was erste Erfahrungen zeigen

Noch liegen kaum systematische Studien vor, doch die ersten Best-Practice-Beispiele aus Großbritannien und den Niederlanden sind vielversprechend. Organisationen wie Greenpeace oder UNICEF nutzen WhatsApp-Channels, um Storytelling, Projektkommunikation und Spendenanreize zu verbinden – mit hohen Öffnungsraten und direktem Feedback über Reichweite.

Auch kleinere NGOs berichten, dass WhatsApp-Nachrichten häufig gelesen und geteilt werden, selbst wenn sie keinen klassischen Spendenaufruf enthalten. Das zeigt: Der Wert liegt weniger in kurzfristigen Conversion-Zahlen, sondern im Aufbau einer langfristigen Unterstützer:innen-Beziehung.

Wo Vorsicht geboten ist

So verlockend der Kanal wirkt, WhatsApp ist kein Ersatz für strategische Kommunikation. Wer ihn nutzt, sollte vermeiden, den Kanal zu überladen oder wahllos Inhalte zu verschicken. Ein WhatsApp-Channel lebt von Konsistenz und Qualität, nicht von Quantität.

Außerdem sollten Organisationen prüfen, ob ihre Zielgruppen den Kanal tatsächlich nutzen. Für jüngere Menschen kann WhatsApp relevant sein, für ältere Spender:innen oft weniger. Hier lohnt sich ein gezielter Testlauf mit klar definierten Zielen.

Fazit: Klein anfangen, aber konsequent denken

WhatsApp-Channels sind kein Wundermittel, aber sie sind ein Werkzeug für Nähe und Vertrauen. Gerade in Zeiten, in denen Plattformen unsicher und Werbemöglichkeiten eingeschränkt werden, kann dieser Kanal helfen, die direkte Verbindung zu Unterstützer:innen zu stärken. Wer ihn strategisch einbindet, schafft neue Kontaktpunkte und macht seine Kommunikationsarbeit unabhängiger von Algorithmen.

Der wichtigste Rat: Nicht experimentieren, weil es neu ist. Sondern, weil es passt.
Wenn WhatsApp zum Ton und zur Zielgruppe einer Organisation passt, kann daraus ein kraftvoller Bestandteil moderner Fundraising-Kommunikation werden.

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